Seit etwa zwei Jahren hat sich auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft eine Diskothek der besonderen Art etabliert. In dem ehemaligen Hochbunker der Werft, welcher noch aus dem zweiten Weltkrieg stammt, eröffnete ein gemeinnütziger Verein das „Kulturkombinat Bunker Rostock“. Seitdem finden in dem Luftschutzbunker regelmäßig Musikveranstaltungen und ähnliche Events statt. So auch in der Nacht vom 14. auf den 15. November 2009. Während der Veranstaltung brach plötzlich Panik unter den Besucher aus und dem Sicherheitsdienst des Betreibers wurde gemeldet, dass in einem Bereich des Gebäudes eine unbekannte ätzende Substanz aufgetreten sei. Zahlreiche der Gäste klagten plötzlich über Atemnot und Reizungen der Augen und Schleimhäute. Daraufhin reagierte der Betreiber unverzüglich und räumte das Gebäude.
Als die Nachricht gegen 2:40 Uhr bei der Polizei einging, wurde aufgrund der Örtlichkeit zu erwartenden hohen Zahl von betroffen Personen sofort Großalarm für Feuerwehr, Rettungsdienste und die Polizei ausgelöst. Die Leitstelle der Feuerwehr alarmierte daraufhin gemäß dem Stichwort unbekannter ABC-Stoff den Gefahrgutzug der Feuerwehr Rostock, bestehend aus den Kräften der Feuerwache III, der ABC-Messgruppe der FF Stadt-Mitte und der Dekontaminationseinheit der FF Gehlsdorf. Weiterhin wurde der Führungsdienst der Berufsfeuerwehr sowie zahlreiche Rettungsdiensteinheiten zur Einsatzstelle entsandt.
Der ABC-Erkundungskraftwagen der Freiwilligen Feuerwehr Stadt-Mitte traf aufgrund der Nähe zum Gerätehaus der Wehr als erstes am Einsatzort ein. Den Gefahrgutspezialisten bot sich eine unübersichtliche Lage. Die mehreren hundert Besucher der Diskothek standen bereits auf der Straße. Die Polizei hatte das Gebiet um die Einsatzstelle zum Glück bereits weiträumig abgeriegelt. Ein ebenfalls eingetroffener Rettungswagen versorgte bereits erste verletzte Personen.
Der wenig später zusammen mit dem restlichen Einheiten des Gefahrgutzuges eintreffende Führungsdienst der Feuerwehr löste aufgrund der hohen Zahl von Verletzten und betroffenen Personen das Einsatzstichwort „Massenanfall von Verletzten“ (MAN-V) aus. Daraufhin wurden gemäß Alarmplan die Schnelleinsatzgruppen SEG-Rettung von der Feuerwache I und der Sanitäts- und Betreuungszug des DRK alarmiert. Weiterhin wurde der Leitende Notarzt zur Einsatzstelle beordert.
Das Gebäude war zwar durch den Betreiber geräumt worden, es konnte aber nicht völlig ausgeschlossen werden, dass sich in dem verwinkelten Gebäudekomplex noch Personen aufhalten. Daher beschloss der inzwischen eingetroffene Führungsdienst, dass ein Erkundungstrupp unter Atemschutz zur Lageerkundung und Suche von Personen in das Gebäude geht. Unter Mitnahme von Messgeräten des ABC-Erkundungskraftwagens wurde daraufhin das Gebäude von zwei Trupps durchsucht. Hierbei wurde zwar das vorhandensein eines Stoffes durch die Messtechnik bestätigt, es konnte aber nicht festgestellt werden, um welche Substanz es sich genau handelte. Zur weiteren Untersuchung wurden daher zwei Luftproben genommen, die nun in Labors weiter analysiert werden können.
Währenddessen baute der inzwischen zahlreich eingetroffene Rettungsdienst in einer Seitenstraße einen behelfsmäßigen Behandlungsplatz auf und richtete eine Verletzensammelstelle ein, an der sich Besucher, die noch immer unter den Nachwirkungen des Kontaktes mit der unbekannten Substanz litten, melden konnten. Für die unverletzten Besucher, die wegen des Verdachts der Kontamination aber dennoch am Einsatzort durch die Polizei festgehalten werden mussten, wurde zwischenzeitlich eine Parkgarage eines nahen Einkaufzentrums requiriert. Nachdem der Stoff nicht identifiziert werden konnte und weil trotz der inzwischen vergangenen Zeit keine weiteren Symptome bei den vermeintlich kontaminierten Personen auftraten, wurden diese dann aber nach etwa zwei Stunden nach Hause entlassen. Auch die zunächst vom Rettungsdienst behandelten Gäste mussten zum GLück nicht in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Auch die Feuerwehr beendete ihren Einsatz, nachdem das Gebäude gründlich belüftet wurde. Die Einsatzstelle wurde an die Polizei übergeben und die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen am Tatort auf. Nach etwa zweieinhalb Stunden konnten die etwa 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr die Einsatzstelle verlassen. Auch die noch in Bereitschaft stehenden Einheiten des Rettungsdienstes konnten ohne tätig zu werden wieder einrücken, da die Auswirkungen zum Glück weit weniger schlimm waren, als zunächst zu erwarten war.